02.01.1991 15:35

Der Beginn eines Traumes

16. Juli 1990

Heute, am 16. Juli 1990, habe ich mich entschlossen mein Reisetagebuch um die Welt zu beginnen. Leider ist es bei weitem noch nicht so weit, dass der Abschied schon in nächster Nähe liegt. Nein im Gegenteil, wir haben noch einige Hürden und vor allem noch ein paar Monate harter Arbeit vor uns, freuen uns aber jetzt schon auf unsere letzten Arbeiten am Schiff welche uns schon ab dem 30. Oktober von fremden, sonnendurchflutet Gestaden träumen lässt.

Bevor ich mit dem eigentlichen Tagebuch beginnen möchte oder werde, empfinde ich es wesentlich meine Gedanken und Erinnerungen etwas in die Vergangenheit zu lenken um meine / unsere Gegenwart und Zukunft besser verständlich zu machen.

Nachdem sich mein Leben im Jahre 1985 total verändert hatte, konnte ich meinem Traum etwas mehr Freiheit gönnen und zusammen mit Christian denselben Traum nicht nur träumen, sondern auch beginnen zu verwirklichen. Da wir beide unsere B-Scheine schon besassen und uns mit dem Gedanken trugen, möglicherweise eines Tages, um die Welt zu segeln, kauften wir uns eine 10.5 m Yacht namens "Sun-Rise l' um die Möglichkeit eines Lebens an Bord auszuprobieren. Nachdem wir dann während 2 1/2 Jahren die Wochenenden als Boat-People auf dem Lago Maggiore verlebten und in der Zwischenzeit auch die benötigten Seemeilen auf Törns in den Balearen ersegelt hatten entschlossen wir uns unser schwimmendes Heim zu veräussern, um unbelastet einem grösseren diesmal Occasions-Schiff zu harren. Die Gelegenheit liess nicht lange auf sich warten und schon bald erspähte Christian im CCS-Heft "das" Schiff, welches uns sicher um die Welt begleiten würde.

Leider musste Christian zum Zeitpunkt als wir uns das Schiff ansehen wolIten, welches damals zum Verkauf auf Martinique stand, in den Militärdienst und somit oblag mir die Verantwortung "unser" Schiff, wenn immer möglich zu erstehen. Eine grosse Sache und ich reiste mit etwas beklommenem Magen nach Martinique. Marc und Miriam erwarteten mich auch ihrerseits mit zwiespältigen Gefühlen Eine Frau allein um ein Schiff zu kaufen, wenn das mal gut geht. Es ging, nachdem ich ca. Sfr. 700 - zum Telefonieren verbraucht hatte und somit fast jedes Detail des Schiffes meinem Miteigentümer und Goldstügg bekannt war, entschloss ich mich einen Vorvertrag zu unterschreiben und innert 10 Tagen eine Anzahlung zu leisten. Welche Freude wir hatten unser Schiff gefunden und waren unserem Traum einer Weltreise schon ein gutes Stück näher gerückt.

 

März 1988

- FRODON

Märchen für Erwachsene, "Herr der Ringe" in welchem Frodo der Held ist

So heisst unser Schiff und wir lieben sie jetzt schon heiss und innig. Die Frage ist jetzt nur wie kommt unsere Frodon in die Schweiz oder als erstes wenigstens nach Europa?

Marc hat sich anerboten die Frodon zusammen mit Miriam und seinem Vater bis nach Miami zu segeln. Christian hat sie dort dann übernommen. Leider war Marcs letzte Reise nicht ganz einfach, da er sich fast gezwungen sah, bedingt durch Motorschaden, hervorgerufen durch zugesetzte Kühlkanäle, Richtung Europa abzulaufen. Irgendwann kam dann doch wieder Wind und Miami in Sicht. Marc und Christian haben sich bemüht sofort einen neuen Motor zu finden und unser neuer Perkins wurde noch mit vereinten Kräften eingebaut. 

Marc war sichtlich traurig seine Frodon abzugeben aber Miriam konnte dieses Leben nicht mehr weiterführen und somit war es ein gemeinsamer Entscheid und auch ein weiser, gemeinsam auf dem Landweg, vor ihrer Rückkehr in die Schweiz, weiterzuziehen.


Unsere Frodon wird in einer Werft in Port Salerno Florida überwintern und hoffentlich können wir sie im nächsten Jahr, 1989 nach Europa verholen. Anfang April 1989 geht die grosse Reise los zusammen mit Peter und Marco werden sie Frodon über den Atlantik segeln. Viel wurde während dieses Winters vor dem Eskimo Ofen in Brissago besprochen. Aufregend war es für alle Beteiligten auch für die die zu Hause bleiben. Mit tonnenweisem Gepäcke beladen, da zum Teil Schiffs Elektronik und wichtige Unterlagen nach Hause genommen wurden und jetzt wieder mitflogen haben wir unsere grossen Seefahrer verabschiedet auch mit Tränen, denn wer weiss was alles passieren wird. Keiner von den Dreien hat je den Atlantik überquert es sei denn im Flugzeug. Einschlägige Hochseeerfahrung haben alle aber ob sich das vergleichen lässt mit dem Atlantik? Im Bermuda-Dreieck verschollen, da müssen sie ja auch noch durch, mir graust vor der langen Zeit ohne Nachricht, denn anscheinend, und wie ich später feststellen muss völlig richtig, ist eine Funkverbindung erst nach den Bermudas möglich.

Ich verziehe mich in unser Häuschen nach Brissago und versuche ganz cool zu bleiben. Im Moment kann ich das noch, weil wir fast täglich miteinander telefonieren. Heiss sei es und mit viel Arbeit verbunden, der Mast muss wieder gestellt werden und das ganze Inventar gesichtet und neu sortiert werden, Einkauf für ca. 60 Tage mal 3 Mann plus Reserve muss eingekauft werden. Peter hat aber seine Winter-Hausaufgabe hervorragend gemacht und eine äusserst detailierte Einkaufsliste erstellt. Alles verlief reibungslos.

Zuguterletzt bekommt Frodon noch einen neuen Unterwasseranstrich und wie mir von meinem Kapitän bestätigt wurde hat sie sich hervorragend gehalten, was bei dieser professionellen Werft-Pflege auch kein Wunder ist. Langsam kommt der Zeitpunkt, nach zwei arbeitsreichen Wochen an Land die Frodon wird zu Wasser zu lassen.

Nun geht es erst einmal durch den Intracoastal Waterway nach Fort Pierce, um zum letzten Mal Wasser und Diesel zu bunkern.

They are on their Way back to Europe

Wie sich bestätigen wird ist eine Funkverbindung erst nach den Bermudas möglich und der erste Funkspruch sollte mich nicht einmal persönlich erreichen. Via Segelschule Ascona, welche den Anruf erhielt (Anneli und Wulf) schrieb mir Tina, in Form eines kleinen Briefchens die Nachricht ans Häuschen in Brissago, Frodon und Mannschaft ok, Wetter wunderbar. Ich war schon etwas traurig diesen ersten Funkspruch nicht selber erhalten zu haben, aber das ist halt so wenn man immer unterwegs ist. Meine Nervosität der letzten Tage hat sich aber trotzdem etwas gelegt.

Bei mir geht es jetzt auch etwas drunter und drüber, denn meine Abreise (1.Juni 1989) nach Horta Faial auf den Azoren steht vor der Türe. Mit Gepäck, welches mir fast die Arme ausreisst und das Genick bricht (Inhalt Rösti, Bratwürste, Bücher, Schlepp-Propeller und natürlich auch meine vielen verschiedenfarbigen T I Schiis) geht es ab begleitet von Mami Margrit und Noemi an den Flughafen. Dieser Familienabschied war sehr lustig und schön, machte mir aber schon etwas Angst wie es sein wird, wenn wir wirklich abreisen, und zwar beide für lange Zeit. Heute allerdings gings nur nach Lissabon, um dort zu übernachten und am nächsten Tag mit einer kleineren portugiesischen Maschine weiter nach Faial zu reisen. Mein Gepäck schien immer schwerer zu werden, obwohl ich in Zürich schon 140.- Franken für Übergewicht bezahlt hatte, fiel ich ein weiteres Mal der Waage zum Opfer, na ja wenn es halt sein muss, ich bezahle und schleppe mein Gepäck selber zum Flugzeug. Reisen kann ganz schön anstrengend sein, aber auch unerhört aufregend. Bei meiner Ankunft auf der Insel hatte ich das Gefühl ein Analphabet zu sein, Portugiesisch verstehe ich nun wirklich kein Wort. Mein Taxifahrer gab sich alle erdenkliche Mühe aber wir kamen nur brockenweise voran. In Horta angekommen radebrechten wir zusammen, dass ich eigentlich kein Hotel suchte, sondern eher etwas Bed & Breakfast ähnliches. Nach längerer Zeit wurden wir fündig, dank einem einheimischen Hotel-Portier welches Englisch sprach und der mir auch weiterhin ein guter Bekannter bleiben sollte. Wir fanden ein nettes kleines Haus und eine liebe Landlady welche mir, nach dem sie mich ausgiebig gemustert hatte ein Doppelzimmer für wenig Geld überliess. Da Horta sehr klein ist und der eigentliche Treffpunkt der Hafen ist, begab ich mich schon nach kurzer Zeit dorthin um möglichst schnell einen Kurzwellensender auf irgendeinem Schiff, welcher mir zur Verfügung gestellt werden könnte ausfindig zu machen. Welch ein schöner Hafen mit all seinen "Murales" an den Aussenmolen. Wie viele Stunden wurden hier verbracht, um Neptun zu danken für eine sichere Überquerung und eine ruhige Heim- oder Weiterfahrt zu bitten. Es juckte mich jetzt schon in den Fingern und meine Augen hielten Ausschau nach einem möglichst schönen und weithin gut sichtbaren Platz für mein (unser) Murales, welches noch schöner, noch bunter, aber sicherlich weniger Kunst darstellen sollte als die meistens dieser Oeuvres. Ich fand den Platz zwar noch nicht, aber einen Künstler, welcher im Begriffe stand seinem Bild den letzten Schliff und die italienische Flagge zu verpassen. Davide spontan wie alle Italiener nun mal sind, brachte mich sofort zu Marisa Locatelli, eine Italienerin aus Borgomanero am Lago Maggiore, auf die Octopuss Garden. Eine Grand Soleil 52 für welche sie allein verantwortlich ist bis zur Rückkehr des Eigners. Welch wundersame Fügung, zwei Frauen und ein Funkgerät sowie viele fröhliche Stunden, welche wir zusammen verbracht haben, Murales malend, Inselrundfahrt mit dem Inselbus, Blumen ausgraben und auf dem Schiff einpflanzen oder auch nur diskutierend über Gott und die Welt manchmal auch über die Seefahrt und ihre Tücken. Die Verbindung zur

Frodon und Ihrer Mannschaft war bald einmal hergestellt und unser Wiedersehn rückte endlich näher. Doch meine Geduld sollte nochmals auf die Probe gestellt werden, denn eines Abends kam gedrückte Stimmung durch den Aether, Motorschaden hervorgerufen durch Salzwasser im Diesel tank. Nun mussten unsere tapferen Seefahrer wie früher auf die

Segel zurückgreifen und konnten nicht wie vorgesehen bei fast keinem Wind mit HiIfe des Motors Faial anlaufen. Ich könnte laut schreien, aber das hilft ja auch nichts. Leider muss jetzt auch die Elektronik auf Sparflamme benutzt werden da die Batterien ja nicht mehr mit Hilfe des Motors aufgeladen werden können und der Schleppgenerator bedingt durch wenig Fahrt auch nicht mehr Topleistung bringt. Mit Hilfe des Radio Naval versuchen wir trotzdem über einen starken Sender die Frodon zu erreichen. Anscheinend haben sie uns gehört aber konnten nicht antworten, weil die Ausgangsleistung zu schwach war. Marisa und ich haben aber die Crew ganz schön zum Schwitzen gebracht, da sie dachten, dass wir nun eine Rettungsaktion einleiten werden. Das hatten wir aber auf keinen Fall vor, denn die Segel, das Schiff und die Besatzung war ok und deshalb wird es halt etwas länger dauern, aber ankommen werden sie bestimmt. Nach unserer Berechnung, wir waren ja immer im Besitze der neuesten Koordinaten bis zum Moment des Motorschadens, dürfte es noch etwa 4 Tage dauern, bis sie eintreffen werden.

Eines Morgens, ich hatte ein gutes Gefühl, ging ich runter zum Hafen um wie jeden Morgen mit Marisa Kaffee zu trinken. Ich wollte ihr mitteilen, dass ich glaubte die Frodon würde heute ankommen, was einen Tag zu früh wäre nach unseren Berechnungen. Wir entschieden uns, uns nicht alIzuweit vom Hafen zu entfernen. Als ich aber um ca. 10.00 zur Capitaneria ging, sah ich sie, ich glaub mich knutscht ein Elch, endlich waren sie da und wurden von Antonio eben jetzt zur Einklarierungsbehörde geschleppt. Welch eine Freude, alle gesund und munter anzutreffen. Dünn sind Sie geworden, aber putzgesund. Wir haben unsere Wiedersehensfreude gleich bei einem Gläschen Wein und einheimischer Küche gefeiert.

Nun geht die Arbeit aber weiter mit unserem Motor, aber dank den äusserst flinken und organisatorisch begabten Mechanikern war auch dies in ein paar Tagen geschafft. In diesen paar Tagen benutzten wir die Gelegenheit die Insel zu entdecken und Erfahrungen und Abenteuer von anderen Crews zu hören. Es waren wundervolle Tage zusammen mit

 "Do I t" (Belgien) mit Hubert, Monique, Nathalie und Eric de Vylder

- "Octopuss l s Garden (Italien) mit Marisa Locatelli

"L’ami d' EA  (Luxembourg) Fernand Nicole, Pol Steinhäuser

"Nausikaa" (Schweiz) Dr. Marlis und Roland Sauter und vielen anderen, deren Namen ich mich nicht mehr entsinne, denen wir aber, wer weiss, eines Tages auf unserer Reise wieder begegnen werden.

Nach einer wunderschönen und erholsamen Woche auf Faial kam auch für uns der Abschied. Er fiel uns schwerer als wir erwartet hatten. Gut verproviantiert nahmen wir unser zweitletztes Teil stück, welches uns nach Malaga in Spanien bringen sollte in Angriff.

Die Tage vergingen wie im Fluge bei schönstem Wetter und mässigem Wind kamen wir gut voran. Meine Bedenken, dass meine Anwesenheit sich störend auf die gut organisierte und eingespielte Crew auswirken würde, konnte ich beiseitelegen und mich völlig dem unerhört schönen Gefühl hingeben, endlich Zeit und Stress zu vergessen. Peter, Marco und Christian I s Wachen konnten durch mich verlängert werden, was sich entspannend auf alle auswirkte. Es wurde viel geschlafen, geträumt von der sich nähernden Küste Europas und viel nachgedacht wie es wohl zu Hause wieder sein wird. Auch die Küche konnte dank der guten Verproviantierung wieder etwas abwechslungsreicher gestaltet werden. Brote, die man kaum mehr aus dem Backofen zerren konnte, weil sie so gut aufgingen, Pizza ' s, Fruchtwähen gelangen uns hervorragend. Auch meine Bedenken, wie wird mein Zusammenleben mit Christian sein, bedürfen keiner weiteren Erklärung. Wir hatten zwei wunderschöne Wochen zusammen auf unserer Frodon, die im Moment zwar noch etwas verkommen aussieht, etwa so wie ich mir einen Seelenverkäufer vorstelle, aber immer mit unserer Vision einer etwas länger dauernden Reise auf unserer Frodon, welche bis dann im neuen Glanz erstrahlen soll. Eines Nachmittags, ich war allein als Ruderwache an Deck und las ein unheimlich spannendes Buch, nahm ich urplötzlich hinter mir ein Schnauben wahr. Mein Gott habe ich nun geträumt oder ist das

Realität. Ich drehte mich ganz langsam um und was ich da sah liess mich einen lauten Schrei ausstossen. Endlich waren sie da, Peter i s lang ersehnte Freunde, leider kann ich seine Begeisterung nur bedingt teilen. 4 Grosse Pott-Wale oder wie immer sie heissen mögen, ca. 12m lange und unheimlich elegant und flink, zugestandenermassen vergnügten sich mit, unter und neben der Frodon.

Mein Schrei liess alle blitzartig an Deck erscheinen mit verschlafenen Siesta-Augen aber der Kamera unter dem Arm. Es war zum Staunen wie auch zum Verrücktwerden, die Wale kamen fast bis auf Streichelnähe an uns heran und es schien ihnen Spass zu machen. Mir kamen plötzlich alle Yachtreporte, Schauermeldungen und Abwehr-Tipps in den Sinn aber ich 

ich habe trotzdem nichts unternommen ausser, dass ich mich mit ihnen innerlich unterhielt und sie bat doch bald wieder zu verschwinden, in den Weiten des Atlantiks. Nach ca. 1/2 Stunde fanden sie sich dann endlich bereit meinen Wunsch zu erhören. Wusch war das aufregend.

Bald einmal konnten wir die ersten Küstenformationen von Portugal sehen, um dann durch die Strasse von Gibraltar in Richtung Spanien zu segeln. Nachdem wir die Einfahrt gefunden hatten, wurde es allerdings etwas schwierig bedingt durch die vorgegeben Verkehrstrennungsgebiete für ein und auslaufende Schiffe. Da wir sehr dunstiges, nebliges Wetter hatten konnten wir uns schlecht am Ufer orientieren und der Sat-Nav gab auch keinen neuen Fixpunkt von sich. So meldeten wir uns bei einer Küstenfunkstelle. Mitten in der Nacht konnten wir alle gemeinsam die Lichter von Gibraltar bestaunen, waren aber trotzdem etwas traurig diesen doch sehr eindrücklichen Felsen und Yachthafen aus Zeitmangel nicht anlaufen zu können.

Gegen Morgen kamen wir in Fuengirola an, unserem ersten Spanischen Hafen. Die Einklarierung verlief reibungslos und wir konnten uns alsbald nach Einkaufsmöglichkeiten und kleinen Tavernen umsehen. Der Hafen ist zwar sehr schön und sauber aber der Ort ist volIgepflastert mit Wohnbunkern wie man sie fast überall an den Küsten Spaniens sieht. Im alten Kern jedoch war es ganz gemütlich unter Platanen zu sitzen und sich beim Engländer einen Gin-Tonic zu genehmigen. Wäsche waschen im Dorf sehr gut nur nicht billig. Unserem dringendsten Bedürfniss nach Diesel konnten sie allerdings nicht nachkommen, da sich sehr wenige Schiffstankstellen in diesem Küstenabschnitt befinden. Komisch bei so vielen Booten. Nach einer Nacht ging es wieder weiter nach Malaga wo Peter und ich leider ein etwas schnelleres Reisegefährt besteigen mussten.

Nachdem wir im Fischerhafen von Malaga unter kräftiger Mithilfe eines Einheimischen und seinem Auto doch noch zu unserem Diesel in Kanister kamen, mussten wir uns trennen und der Abschied fiel uns unheimlich schwer. Schön war's gewesen und hoffentlich kommt die Frodon mit unserer Restcrew sicher in Lavagna an. Wir konnten vom Flugzeug dann noch einen letzten Blick auf sie werfen und schon waren wir über den Wolken, mit Tränen in den Augen. Abschied nehmen fiel uns beiden nicht leicht, auch aus etwas unterschiedlichen Gründen.

Mein Chef hat mich schon sehnlichst erwartet und auch bei Peter ging' s ganz schnell wieder mit dem Alltagsstress weiter.

Für unsere beiden Seefahrer ging die Reise ohne nennenswerte Verzögerungen im Eilzugtempo über Menorca, Mallorca nach Lavagna in Italien.

Anfang Juni 89 dann war es endlich so weit, Ankunft nach 2 1/2 Monaten Atlantiküberquerung Leinen fest im Hafen von Lavagna. Ute mit klein Florian, noch fest bei Mami verankert, konnten überglücklich Marco wieder in die Arme nehmen. Auch ich bin schnellstmöglich wieder bei Christian und unserer Frodon. Bald darauf mussten auch wir unser Schiff alleine lassen, mit dem Wissen, dass die weitere Reise bestens organisiert war und der Landtransport in den besten Händen war. Ciao Frodon, das nächste mal sehen wir dich auf dem Lago Maggiore.

Wieder in Brissago erreichte uns dann allerdings eine traurige Nachricht. Der Firmenbesitzer und Arbeitgeber von Christian ist am Tag von seiner Ankunft in Lavagna gestorben. Christians Anwesenheit im Geschäft war nun dringend erforderlich und so reisten wir am selben Tag noch nach Meilen ab. Obwohl wir um die tödliche Krankheit wussten, waren wir schockiert und sehr traurig. Für die Familie ist es eine schlimme Zeit und auch wir müssen unsere Reisepläne um ein weiteres Jahr verschieben. In diesem Fall ist unsere Entscheidung richtig und auch angebracht denn eine Firma welche Christian so viel Vertrauen und Freundlichkeit entgegengebracht hat und auch weiterhin wird, da müssen unsere ganz persönlichen Wünsche hintenangestellt werden. Wir werden unsere Reise sicher nicht aufgeben aber um mindestens ein Jahr verschieben.