25.12.1991
Leinen los, bei schönstem Wetter sind wir zusammen mit 2 anderen Schiffen losgesegelt. Eines mit Ziel Dakar, das andere nach St. Lucia. Wir kamen gut voran mit recht viel Wind aber aus der richtigen Richtung. 2800sm liegen vor uns, ein merkwürdiges Gefühl und wir beschliessen die Strecke abzukürzen und als Ziel die Kap Verden mit 840sm anzusteuern. Ein Tiefdruckausläufer sitzt uns etwas im Nacken und deshalb steuern wir vorallem Richtung Süd. Auf 22° Nord halsen wir und baumen die Genua und setzen eine Bullentalje. Das soll jetzt bis Barbados so bleiben! Das Leben an Bord hat sich nicht gross geändert und lesen und schlafen sind unsere Hauptbeschäftigung, unterbrochen durch Decksspiele wenn Christian das Gefühl hat die Segel müssen geschiftet werden da wir entweder zuviel Süd oder Nord machen. Pützduschen oder Klatschduschen, wie wir sie nennen sind auch ein herrliches Vergnügen. Dies aber nur bei wenig Seegang, wir wollen ja nicht über Bord gehen. Silvester verlief ruhig, da die Wetterverhältnisse den Champagner nicht zuliess und wir mit einem Fingerhut voll Rum angestossen haben. Meine Geburtstagsfeier viel mit den gleichen Gründen ins Wasser, Christian hat mir die Torte aber während der Nachtwache auf Papier gezaubert. Die Tage mit diesem heftigen Schwell aus Norden haben wir verflucht und erfuhren über Funk das wir damit nicht alleine waren. Es kamen aber auch wieder schöne Tage mit Wind aus NE - E 15-20kn und unsere Etmale während der ganzen Überquerung lagen zwischen 110 - 160sm. Vorallem aber waren wir dankbar das wir keine Schäden hatten, weder an Schiff noch an Mannschaft. Mexi hat es auch geschafft nicht ins Wasser zu fallen, trotz ständiger Nachtwache uns Ausschau nach fligenden Fischen.
Endlich dann um 05.00 Ortszeit am 18. Januar 1992, Land in Sicht, Barbados voraus. Gegen Miitag dann Ankunft im Handelshafen am Zollpier zum Einklarieren. Polizei und Zoll waren sehr freundlich. Mussten unsere Winchester und Munition gegen Quittung abgeben wie auch über unsere Wein und sonstigen Spirituosenvorräte genauestens Inventar abgeben. Nach ca. 1 Std. konnten wir uns in die Carlisle Bay verholen und liegen nun vor Bug und Heckanker direkt vor Bridgetown. Wir schwelgen in Gemüse und Fruchtbergen die wir auf dem Markt einkaufen. Die Preise sind nicht eben billig aber mit schweizerpreisen zu vergleichen. Fleisch und Fisch ist sehr gut und günstig. Gestern gabs bei uns Flying Fisch speziell karibisch zubereitet und Patna Reis, Tomaten/Gurkensalat und Cookies zum Dessert, nicht zu vergessen den Kleinen Tropfen Rotwein aus unserem Keller. Wie Ihr seht, wir lassen es uns gutgehen nach 24 Tagen doch etwas einseitiger Ernährung, denn einseitig ist bei mir alles wenn ich keine frischen Früchte und Gemüse haben. Zum Abschied in Puerto Rico haben wir noch einen Milchkefir bekommen und machen seit daher unser Yoghurt selber wie auch die Limonade aus dem Wasserkefir. Wir habens also ausprobiert die diversen Kefire sind nicht zum kaputtmachen und eine super Ergänzung des Speiseplans, kommt noch dazu. Milchprodukte sind importiert aus Frankreich und Deutschland und somit äusserst teuer.
Gestern hatten wir Ausflugstag in die Harrisons Cave, Tropfsteinhöhlen die erst seit 1970 dem Publikum zugängig sind. Wir wurden auf ein Elektromobil gesetzt mit zwei Anhängern, nachdem uns ein äusserst bunter Helm übergestülpt wurde und ab ging es in den Untergrund. Wunderschön ausgeleuchte't und irrsinnig gut geschichtlich erklärt. Ganz beeindruckend diese Wasserfälle und riesigen Stalaktiten und $talagniten (die einen stehen die andern hängen). Zu Fuss sind wir dann wieder Richtung Bussstation zurück marschiert durch riesige Zuckerrohrfelder, Grapefruitbäumen die irgendwo am Wegrand stehen oder Kokosnusspalmen umrahmt von Bananenpalmen mit ganzen Strünken grüner Bananen die daran hängen. Bunt wie die Vegetation sind auch die Holzhäuschen der Einwohner mit kleinen Veranden und Schaukelstühlen darauf. Bunt sind auch die Einwohner selbst, wunderschöne Gesichter, die meistens lachen in buntbedruckte Kleider gehüllt mit grossen Strohhüten oder Kopftüchern auf dem Kopf. Sie sind unheimlich freundlich und wo du auch hingehst, ein freundliches Hello, hi oder Goday ist immer zu hören. Heute wollen wir das sehr bekannte Priesterseminar besichtigen und auf der Sunberry Plantation, einem alten Farmhaus einen kleinen Lunch einnehmen, um uns die Stimmung aus früheren Zeiten etwas unter die Haut gehen zu lassen.
Christian hatte eine tolle Idee die auch noch verwirklicht werden will, wir haben vor ein kleine Kindergeschichte zu erfinden mit den passenden Fotos dazu, damit unsere Patenkinder sich unsere momentane Umgebung etwas besser vorstellen können. Deshalb ist meine Erzählung für Erwachsene und Teens für heute zu Ende und wir müssen sehen, dass wir noch aufs Postamt kommen und dann bekommt Mexi noch 2 fliegende Fische vom Fischmarkt.